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Der fremde Mann

[Von Elke Nachteule]

Ich halte eine Karte in der Hand. Auf der Vorderseite ist ein kleiner Junge und ein kleines blondes Mädchen abgebildet. Meine Hand dreht die Karte um und ich bekomme Pippi in die Augen. Es ist eine Geburtstagskarte an Lissy.

Diese Karte inspirierte mich eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben:

Auf der rechten Seite steht:

An mein kleinen Goldschatz Lisbeth Schäfer Sandlofs.

Links die folgenden Worte……..

und alles gute, vor allem Gesundheit und viel Spass im Leben, wünscht dir dein lb. Papa. Bleibe schön brav und mache immer deine Schularbeit gut, dann kauf ich dir nach dem Kriege wieder viele schöne Sachen. Das Bildchen wo du und Mama drauf bist, hängt neben meinem Bette ich sehe euch zu jeder Minute, denke sehr viel an euch und werde euch nie vergessen. Nach dem Kriege wirst du noch so ein schönes Brüderchen bekommen, wie auf dieser Karte, kannst es Mama als sagen, damit sie bescheid weiß. Tausend Küsse von deinem Papa.


Eine wahre Weihnachtsgeschichte nach Erzählungen von Lissy und an Hand von Bildern

Der Krieg weilte nun schon über ein Jahr. Aus dem kleinen Dorf waren viele Väter, Brüder und Onkel im letzten Jahr eingezogen worden. Auch Lissy´s Vater, Hans, befand sich zu dieser Zeit in der 3. Bau Ersatz-Bataillon 9. Leider gibt es keinen Nachweis wo sich dieses Bataillon, im Dezember 1940, gerade befand.

Es war Weihnachten und klein Lisbeth ( so nannte sie ihr Papa immer) war gerade einmal 4 Jahre alt. Sie trug, von der Mutter selbst genäht, ein dunkles Kleidchen mit weißen Rüschen am Hals. Wie jedes Jahr stellte ihre Mutter kurz vor Weihnachten, die Puppenstube von Lissy, in die gute Stube der kleinen, bescheidenen Wohnung im Haus von Christe. Lissy liebte ihre Puppenstube über alles, denn ihr Papa hatte sie selbst gebaut. Es gab nur zwei Zimmer, die auf Stühlen standen. Eine Küche mit Herd und Töpfen darauf, Tisch und Stühle sowie ein kleiner Kinderwagen und ein Wohnzimmer mit Sofa, Tisch und Sessel. Sogar ein Bild ist an der Wand zu erkennen.

Der Weihnachtsbaum war festlich geschmückt und stand vor dem verdunkelten Fenster. Die Mutter achtete sehr darauf dass die Fenster richtig verdunkelt waren weil es ja in ganz Deutschland vom Militär angeordnet war,

Der Feind sollte keinen Lichtschimmer wahr nehmen. Oma Margarethe und der heiß geliebte Opa Leonhard, die Eltern von Lissy´s Mutter, waren auch schon da. Die beiden waren treue Wegbegleiter der kleinen Familie. Sie unterstützten sie, während der Vater im Krieg war, wo sie nur konnten. Lissy und Hannelore, so hieß ihre Puppe, spielte an diesem Heiligen Abend mit ihrer Puppenstube und Puppenwagen. Die Mutter war traurig, da der geliebte Mann in der Fremde um sein Leben kämpfte und nicht zu Hause bei seiner Familie sein konnte. Lissy bemerkte schon bald wie ihre Mutter immer wieder weinte, auch wenn sie das nicht verstehen konnte. Schließlich war doch Heilig Abend und ein Grund zur Freude. Denn die Zeit mit Mama, Oma und Opa war doch so schön und ging sehr schnell vorbei.

Es war bereits nach zwanzig Uhr, da vernahmen sie alle dass jemand an der Haustür ist. Wer konnte das sein? Kommt der Weihnachtsmann doch noch? Oder ist das das Christkind nochmal? Hat doch jemand den Kerzenschein bemerkt?

Nun hörten sie auch noch Schritte auf der Treppe. Die Tür öffnete sich und ein Mann im langen Wintermantel stand vor ihnen.

Welch eine Freude. Es war Vater, der auf Weihnachtsurlaub,nach Hause durfte.

Doch was war mit der kleinen Lissy los? Als sie den fremden Mann sah, hatte sie Angst und versteckte sich unter dem Rock der Mutter. Sie hatte ja ihren Papa schon lange nicht mehr gesehen. Nach einer Weile gewöhnte sie sich aber wieder an den Vater und die drei verlebten gemeinsam ein paar schöne Weihnachtstage. Nun waren die Tränen der Mutter vergessen.

 

 

 

 

EPILOG

1944 war der Vater bis zum 27. Juni, für fast drei Wochen, auf Heimat Urlaub zu Hause. Am 25. Juli 1944, vier Wochen später war sicher, dass der Vater nie wieder an Weihnachten zu Hause sein wird. An diesem Tag ist er in Lettland, nahe Dünaburg, gefallen.

Kurz Biografie:

Johannes Schäfer wurde am 16. September 1909 als neuntes und jüngstes Kind des Leinwebers Heinrich Schäfer II und Helene Hohmeier ( Dorfname Hellichs ) in Sandlofs geboren. Heiratete 1935 in Sandlofs Maria Jörg * 30. Oktober 1914 + 18. April 1988 und hat eine Tochter. Als Obergefreiter und Pionier starb er am 25. Juli 1944 in Jezupova in der Nähe Dünaburg, Lettland.

Die Autorin wurde in 1958 geboren. Als Tochter einer Schokoladen – Pudding – Köchin und einem Vater, der immer Blödsinn mit seinen Enkelkindern machte, wuchs sie in Sandlofs auf.

Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann in Queck in der Nähe von Schlitz – Paris und hat neben einem Bruder und einer Schwester noch eine Tochter, einen Sohn und eine Schwiegertochter.

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