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Die Verbannung Teil 2

Ab-Verbannung 02

Die Verbannung, Teil 2

 

Stunden später erwachte Kunigunde vom kläglichen Jammern ihres Kindes. Die Erinnerung der letzten Nacht versetzten sie beinahe wieder in Angst und Schrecken. Alarmiert  sah sich im Zimmer um. – Der Soldat war nirgends zu sehen. Doch ein entsetzlicher Verdacht drängte sich in ihr Denken. Hoffentlich war der Schorbacher nicht bei Johannes! Die Haustür stand einen Spalt weit offen. Ein kalter Luftzug  streifte sie jäh und ließ sie frösteln. Hektisch erhob sie sich, um die Haustür nun gänzlich zu öffnen. Vor ihrem inneren Auge erfasste sie bereits eine Fluchtmöglichkeit. Sie hoffte, dass sie durch die bereits weit geöffnete Haustür, mit Johannes auf dem Arm, schneller nach draußen flüchten zu können, um Hilfe zu holen.

Johannes‘ Weinen ging nun in verzweifeltes Schreien über. Sie nahm allen Mut zusammen, rannte die Treppe hoch in die Schlafkammer. Die Schmerzen, die sie dabei in ihrem geschundenen Körper spürte, ignorierte sie, denn sie bemerkte, wie ihre Angst die feinen Härchen an ihrem Nacken  aufstellte. Vor der Tür hielt sie einen Moment inne, um sich auf das Schlimmste gefasst zu machen. Langsam und vorsichtig drückte sie die Schlafzimmertür einen Spalt auf, spähte ins Zimmer, konnte Johannes‘ Bett jedoch nicht sehen. Sie stieß die Schlafkammertür nun ganz auf und brach sogleich in Tränen aus. Aber es waren Tränen der Erleichterung, denn ihr Johannes saß mit ängstlichen Augen im Bett und starrte sie an. – Der Soldat war fort!

Vier Monate später war sich Kunigunde sicher, dass sie ein Kind erwartete. Wie sollte sie das erklären!? Kilian war seit fast acht Monaten nicht mehr zu Hause gewesen. Jeder im Dorf wusste deshalb sofort, dass Kilian nicht der Vater dieses Kindes sein konnte. Ihre Schwangerschaft versuchte sie so lange wie möglich zu verheimlichen. Je weiter die Zeit verging, umso brenzliger wurde die Situation für Kunigunde. Sie spürte die fragenden Blicke der Nachbarn und hatte das Gefühl, die Menschen sprächen hinter ihrem Rücken über ihre sie. Aber niemand fragte sie danach. In ihrer seelischen Not offenbarte sie sich dem Gemeindepfarrer Ledderhose. Dieser fromme Mann zeigte kein Verständnis für ihre Situation. Der Pfarrer warf ihr sogar vor, sie sei  Schuld, denn schließlich habe sie den Schorbacher Soldaten  ja ins Haus gebeten und ihm dadurch unmissverständlich ihre Bereitschaft gezeigt. Es liege nun mal in der Natur des Mannes, den immerwährenden schamlosen Reizen der Frauen nachzugeben. Nein, dem armen Soldaten könne man keinen Vorwurf machen, allenfalls, dass er so einfältig war und nicht die teuflische Natur des Weibes erkannte!  Sie solle nach Hause gehen und Gott um Vergebung bitten. Er selbst wolle mit den Kirchenältesten beratschlagen, welche Strafe für ihr frevelhaftes  Verhalten angemessen sei.

Noch am frühen Abend desselben Tages klopfte der Gemeindediener in Gesellschaft des Ortsbüttels an Kunigundes Haustür, um sie dem Kirchengericht vorzuführen. Der Ortsbüttel sorgte derweil dafür, dass ihr Sohn Johannes der  Familie ihres Schwagers, Valentin, zur  Obhut gegeben wurde. Die Kirchenältesten erwarteten sie bereits. Sie gaben Kunigunde keine Gelegenheit,  sich zu erklären. Das Urteil stand bereits fest. Bis zur Geburt des Kindes solle sie im Zuchthaus bleiben. Anschließend noch solange,  bis das Kind entwöhnt sei. Danach solle sie mit ihrem Hurenkind für ein Jahr des Landes verwiesen werden. Wenn sie dies alles überstehen sollte, und den Ehebruch öffentlich bereue, dann würden die Dorfbewohner und auch die Kirche  sie wieder in die Gemeinschaft aufnehmen.

Gleich nach der Urteilsverkündung wurde sie ins Zuchthaus gebracht. Dort blieb sie die restlichen drei Monate bis zur Geburt ihres Kindes. Niemand kam ihr zu Hilfe, sogar die Hebamme weigerte sich, nach ihr zu sehen.  Einmal am Tag bekam sie ein kärgliches Mahl, welches aus Brot und etwas dünnem Bier bestand. Der Gefangenenwärter Jakob , der einen Hauch von Mitleid zeigte, erbarmte sich und stand als Gevatter ihrem neugeborenen Sohn bei der Taufe bei. Sie selbst durfte an der Taufzeremonie nicht teilnehmen. Ihre Familie, die sie regelmäßig besuchte, und Jakob erzählten ihr aber sehr genau von der Taufe und den ermahnenden Worten des Pfarrers Ledderhose. Falls jetzt immer noch jemand im Dorfe war, der keine Kenntnis vom  liederlichen Verhalten Kunigundes hatte, der erfuhr es nun aus erster Hand  aus der Predigt des Pfarrers.

Sie blieb noch weitere 18 Monate mit ihrem Kind im Zuchthaus. Sie war nicht die einzige Frau, die mit ihrem Kind eingesperrt war. Neben weiteren Frauen, war da noch Martha, eine junge Frau und Mutter eines unehelichen Sohnes, aus Niederjossa.  Martha diente als Magd beim Schultheißen Habicht in Niederjossa. Als Vater ihres unehelichen Sohnes gab sie Philipp, den ledigen Sohn des Schultheißen, an. Da dieser jedoch die Vaterschaft vehement, während eines Verhörs vor dem Kirchenrat, leugnete, war die Angelegenheit für Pfarrer und Kirchensenioren offensichtlich und somit erledigt.  Wenn Martha die Wahrheit spräche, so die Urteilsbegründung, dann hätte ihr Gott den Sohn des Schultheißen zum Ehemann gegeben. Da dem aber nicht so war, wurde Martha der Lüge überführt und musste ebenfalls ihre Strafe im Zuchthaus absitzen. Marthas Zeit im Zuchthaus war jedoch auf drei Monate begrenzt, weil sie noch ledig war. Sie musste nur die Kirchenstrafe  für Hurerei abgelten und anschließend öffentlich während des Gottesdienstes vor versammelter Gemeinde Buße tun.

Kunigunde jedoch war  eine überführte und verurteilte Ehebrecherin. Das fiel zwar auch unter Hurerei, aber der damit verbundene Ehebruch wog viel schwerer und wurde noch schärfer bestraft. [Eulalia]

Fortsetzung folgt….

Wenn Euch diese Geschichte gefällt, lasst es uns wissen – und es wird sehr bald eine Fortsetzung folgen!

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