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Eine Solmser Tragödie

Es war am 30. Juli  im Jahre des Herrn 1770 im kleinen Örtchen Solms.

Der hiesige Gemeindepfarrer hat diese Geschehnisse allesamt im Kirchenbuch aufgezeichnet und festgehalten, damit ich nun heute diese kleine Geschichte dazu verfassen und mit Euch teilen kann.

Wie wundervoll der Gedanke daran. Wenn er es wüsste, würde es ihn freuen oder würde er es einfach als sinnloses Tun daher stellen? Das ist das Feine daran. Man weiß es nicht und kann die eigenen Gedanken schweifen lassen…

Wie schon gesagt, in Solms, einem verträumten kleinen Dörflein im Fuldatal trug es sich zu.

Ich lebe in diesem wunderschönen kleinen Flecken, von daher nahm mich diese Begebenheit sofort in ihren Bann. Man bedenke, diese ist nun ja auch tatsächlich so geschehen. Gerade deshalb fasziniert mich die Vergangenheit, mit ihren unzähligen und unerzählten Geschichten,  immer und immer wieder aufs Neue so sehr….

In dieser Geschichte geht es um die Solmser Familie Zulauf, eine Familie, wie viele Familien zu jener Zeit. Eine typische Bauernfamilie.

Die Bauernfamilien lebten und arbeiteten für ihr eigenes Wohl und das Wohl ihrer Tiere.  Sie hatten Gemüse und Obst im eigenen Garten angebaut. Im Herbst wurde die Ernte vom Garten und Feld eingeholt und haltbar gemacht. Das Heu war bereits schon im Frühsommer für den Winter eingelagert, um den Tieren ein einigermaßen gutes Überdauern der kalten Jahreszeit zu sichern.

Sonntags war der Tag des Herrn, da wurde geruht von der schweren Arbeit. Es ging zur Kirche, mit viel Glück gab es auch mal sonntags ein Stück Fleisch auf den Teller. Die Menschen waren im Allgemeinen froh, wenn sie ihr Tagwerk abends verrichtet hatten. Selbst abends wurde in der Stube noch gestrickt und gesponnen, eine Arbeit die Frauen erledigten.  Die Männer saßen am Webstuhl und bearbeiteten Flachs zu Leinen. Sie flickten die Zinken der Rechen oder fanden andere Sachen, die ausgebessert werden mussten. Dies war der typisch bäuerliche Feierabend.

So trug sich es sich nun zu, dass es, um die Mittagszeit herum, ganz unmenschlich anfing zu regnen. Dies verwundert mich nicht wirklich, selbst heutzutage ist Solms in unregelmäßigen Abständen überflutet und vom Rest der Welt abgeschnitten. Es war im Sommer, daher war so ein plötzlicher Regenschauer ja nicht gar so unüblich, doch dieser Regen wollte einfach nicht aufhören und erreichte eine so hohe Kraft, dass allmählich überall im Dorfe und auf dem Hof der Zulaufs  eine hektische Unruhe entstand.

Man muss hierbei bedenken, dass es damals keine Abwasserkanäle gab,  in welche das Wasser hätte ablaufen können, sondern bei recht nassem Wetter, das Wasser und der Matsch, der ungeteerten und ungepflasterten Außenanlagen, einen gar manchmal bis ins Haus begleitete. Auch überschwemmten gerne einmal die sogenannten  Aborte, die außerhalb der Wohnhäuser, draußen neben den Ställen, lagen. Es muss ohnehin nachts im Kalten ein gar „herrliches“ Gefühl gewesen sein, vom Druck der Blase oder anderer Organe in die luftige Abgeschiedenheit dieser Örtlichkeit gedrängt zu werden.

Weiter mit unserer Geschichte…

Auf dem Zulauf’schen Hof in Solms machte sich eine rege Verzweiflung  breit, nachdem  sich ein gewaltiger und nicht enden wollender Regenschauer über dem Dorf entlud. Die Familie versuchte die Mauern des Hauses und der Scheune gegen die eindringenden Wassermassen zu schützen. Ein Jeder dort war zugange, breitete mit Sand gefüllte Säcke vor den Türen aus und versuchte zu retten, was zu retten war.

Als dann jedoch plötzlich auch noch Blitze durch die dunklen Regenwolken zuckten und ein ohrenbetäubendes Donnergrollen zu vernehmen war, da machte sich  beim jüngsten Sohn der Zulaufs, Johannes, Entsetzen breit.  Er war jetzt zwar 20 Jahre alt, hatte aber eine fürchterliche Angst vor Blitz und Donner. So ging es, dass alle Familienmitglieder  absicherten nach bestem Gewissen. Jedoch verspürte Johannes eine solche Angst, dass es ihn drängte, ins Haus zu laufen, um in der Stube zum Herrgott zu beten.

Niemals je zuvor habe er sich so sehr gefürchtet, dass er nun wie gelähmt vor Angst war, und er könne auf keinen Fall bei Blitz und Donner weiter gegen die Wassermassen ankämpfen. So tat er kund, lief ins schützende Haus, nahm das Gebetbuch von seinem Platz im Küchenschrank und betete inständig zu seinem Herrn.

Man kann nur mutmaßen, doch wir denken, dass zu dieser Zeit die Sterne des jungen Mannes so ungünstig standen, und ein Kugelblitz in das Dach des Fachwerkhauses einschlug, bis nach unten in der Stube gelangte, wo er den betenden Jungen erschlug.

Die herbei geeilten Familienmitglieder fanden ihn tot auf dem Boden des Stübchens. Neben ihm sein Gebetbuch. Sein Gesicht wies einige rötliche Flecken,  und seine Brust war schwärzlich verfärbt. So lautet die Beschreibung des Pfarrers. 

Man kann nicht mit Gewissheit sagen, was nun in der gläubigen und gottesfürchtigen Familie vor sich ging, als sie den Jungen dort so vorfanden, doch der Schock muss wohl tief gewesen sein.

Der Vorfall war ein beeindruckendes Erlebnis, selbst für den Pfarrer jener Zeit gewesen sein, denn er notierte das Unglück im Kirchenbuch.

Notiz im Kirchenbuch von NIederaula vom 01 Aug 1770

„Jener traurige Vorfall geschah am 30.Juli, ungefähr um 2 Uhr nachmittags. Kurz vor diesem Schlag hat es auch zu Wehrda in ein Haus eingeschlagen und dasselbe angezündet und durch gute Veranstaltungen wurde aber das Feuer gelöscht. Jedoch in des Getöteten Haus ist sonst kein Schaden geschehen“

Dies lässt nun noch mehr einen Kugelblitz vermuten. Denn weiter schreibt der Pfarrer:

„Inzwischen schlug es in das Haus ein und vermutlich fuhr der Strahl durch die Stube. Man lief in das Haus, auf den Boden, wo einige Sparren zersplittert und einige Ziegel aufm Dach zerschmettert. Danach wurde man auch am Fenster gewahr, dass die Scheiben zerbrochen und der Rahmen entzweit“.

Zur damaligen Zeit war dies nicht normal erklärbar wie heute. Man musste sich mit dem Wetter ja an sich, aufgrund der bäuerlichen Tätigkeiten, auskennen. Man konnte sich jedoch solche Dinge nicht erklären. Da waren dann andere Kräfte für verantwortlich, meist durch des Teufels oder andere Hand gelenkt. Es mag jeder seine eigene Meinung dazu haben. Etwas schauerhaft ist diese, auf Tatsachen und Wahrheit beruhende Geschichte, zumal Kugelblitze recht selten vorkommen,  und selbst heute noch sehr mysteriöse Naturerscheinungen sind, deren Entstehung noch nicht vollends geklärt ist…

Falls es nun kein Kugelblitz, sondern ein ganz normaler Blitzeinschlag war, weshalb  hinterließ dieser nur ein zerbrochenes Fenster und etwas Ziegelbruch am Dach? Warum entstand kein Feuer, wie es sonst bei einem Blitzeinschlag üblich ist???

Wie muss die Familie damals wohl auf diese furchtbaren Geschehnisse reagiert haben? Das muss wohl jetzt jeder für sich selbst bedenken….

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