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Erdbeben in der Gemeinde

Erdbeben

Erdbeben in Deutschland

Am 16. November 1911 ereignete sich im südlichen Baden-Würtemberg wohl das stärkste Erdbeben Deutschlands im 20. Jahrhundert. Es hatte eine Stärke von 6,1 auf der Magnitude. Das Epizentrum war in Albstadt-Eblingen. Es war in einem Radius von bis zu 400 km weit in Deutschland und Europa spürbar.

Es muss ein beeindruckendes Erlebnis für die Menschen in unserer Region gewesen sein, denn der Niederaulaer Hauptlehrer Müller  nahm dies zum Anlass, um darüber in der Schulchronik zu berichten.  Am 04. Dezember 1911 beschreibt er seine Eindrücke während des Erdbebens:

 

 

Am 16. November, abends um 10:30, wurde Mitteldeutschland durch ein Erdbeben erschüttert, dessen Herd der Nordostabhang der Alpen gewesen sein soll. Ich will versuchen, meine persönliche Erfahrung zu schildern, woraus man einen Schluß auf das Verhalten anderer ziehen darf. Ich befand mich lesend und rauchend allein im Zimmer. Die jüngeren Kinder schliefen, meine Frau und meine älteste Tochter war bei Frau Kollege Manns in Kaffeegesellschaft.

Notiz des Lehrers Müller in Niederaula
Notiz des Lehrers Müller in Niederaula

Gegen 10:15 öffne ich das eine Stubenfenster und die Stubentür, um den Tabakrauch abziehen zu lassen. Ich selbst stehe in der geöffneten Tür und blicke dem abziehenden Rauche nach.

Plötzlich eine Bewegung, als ob der Boden unter den Füßen vorgezogen würde. Die Hängelampe schaukelt kreisend, die Bilder an der Wand fahren hin und her. Die Fenster und Türen und das Gebälk ächzen. Der Perpendikel der Standuhr schlurrt, die Uhr fährt hin und her und bleibt stehen. Ich selbst habe ein Gefühl, als sei mir unwohl. Die Möbel der guten Stube fahren hin und her, dass ich im ersten Augenblicke glaube, die Kinder seien in der dunklen Stube und suchen etwas.

Dies alles wurde in wenigen Augenblicken beobachtet, und mir wurde sofort das Schreckliche zur Gewißheit. Da ich einen zweiten Hauptstoß befürchtete, rief ich nach oben: „Alles herunter und heraus aus dem Haus, ein Erdbeben!“

Die Gesellschaft der Damen war vor Schrecken fast erstarrt. Sie hatten dieselben Erscheinungen wie ich beobachtet. Laut schreiend stürzten meine Kinder herbei. Ich wollte die Kleinsten, Zwillinge von 10 Monaten, aus ihren Bettchen nehmen. Meine Frau litt es nicht, da es draußen sehr stürmisch und kalt war. Wir gingen nun hinunter, die anderen zu beruhigen. Auf der Straße hatten sich fast sämtliche Nachbarn schreckerfüllt eingefunden.  Allmählich kehrten Ruhe und Besinnung zurück. An Schlaf war nicht zu denken. Immerfort hatte man das Gefühl des Bebens.

 

Andern Tages schon brachten die Zeitschriften Nachrichten über Zerstörungen, die dieses Erdbeben angerichtet hatte. Lange und breite Erörterungen knüpften sich daran. Der Eindruck des Entsetzens und der Ungewißheit neuer Gefahr war allgemein.

Mancher lächelt jetzt und gesteht, daß es mit allem Mut, mit aller Selbstbeherrschung doch manchmal nicht weit her ist.

Des anderen Tages tröstete ich meine Schüler und mich mit den Worten des 46. Psalms: „Gott ist unsere Hülfe, wenn gleich die Welt unterginge!“

 

 

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