About author:-

Fern der Heimat Teil 2

Fern der Heimat – Teil 2

Erinnerungen an Männer die im 1. und 2. Weltkrieg für das

Vaterland kämpften

 

Vor 75 Jahren endete der 2. Weltkrieg. Wohl einer der schlimmsten Kriege der Geschichte. Viele tausende junge Männer verloren ihr Leben. Frauen wurden zu Witwen. Sie mussten von da an ihre Kinder alleine groß ziehen. Kinder, die ihre Väter kaum kannten, aber auch Eltern, die über ihre gefallenen Angehörigen trauerten. Nicht alle Soldaten sind in diesem Krieg gefallen. Wer das Glück hatte wieder nach Hause zu kehren, der musste das Geschehene erst noch verarbeiten.

Meine beiden Großväter waren bei den ersten von Sandlofs, die 1939 eingezogen wurden. Sie waren die besten Freunde. Beide in 1909 geboren und in die gleiche Klasse gegangen. Der eine überlebte und kam nach Hause zurück. Der andere verlor sein Leben fern der Heimat.

Konrad (Kurt) Hofmann, der Vater meines Papas, wurde am 08.04.1909 in Sandlofs geboren. Er war der Sohn von Johannes Hofmann und Margaretha, geborene Goppel. Über Johannes Hofmann habe ich in Teil 1  schon berichtet. Konrad heiratete am 07.02.1931 Katharina Maria Steinacker aus Langenschwarz. Sie bekamen zwei Kinder. Johannes und Albert. Kurt starb 1987 im Alter von 77 Jahren.

Johannes (Hans) Schäfer, der Vater meiner Mama, wurde am 16.09.1909 in Sandlofs geboren. Er war der Sohn von Heinrich Schäfer und Helene, geborene Hohmeier. Johannes heiratete Ende 1935 Maria Jörg aus Sandlofs. Auch über diese beiden berichtete ich schon in der Kurzgeschichte „Der Fremde Mann“. Maria und Hans wurde eine Tochter, mit dem Namen Elisabeth, geboren. Hans starb am 25.07.1944 im Alter von 34 Jahren.

Die beiden Freunde Hans und Kurt 1940

Hans und Kurt wurden in verschiedene Einheiten eingeteilt. Nach Erzählungen von Opa Kurt, war er als Sanitäter in Norwegen stationiert. Er sprach nur selten von der Kriegszeit. Wohl auch, weil er die schrecklichen Bilder, von verwundeten und toten Kameraden, noch vor Augen hatte. 

 

An Hans gerichtet. Zum Andenken als Meldefahrer. Dein Freund Kurt (links)
Weihnachten 1940 Norwegen, vorne links: Kurt Hofmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Opa Hans kann ich nur berichten was ich an Hand von Unterlagen recherchiert habe. Ich danke meinen Eltern die Wehrpass, Briefe, Bilder und Ahnentafel nicht vernichtet haben.

 

Das Bild der jungen Familie Schäfer entstand kurz vor der Einberufung von Hans.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ab 1935 wurde der Ariernachweis für viele Bürger des Deutschen Reichs wichtig und alltäglich. So auch für Johannes Schäfer. Er musste einen Nachweis zur Abstammung der „Arischen Rasse“ erstellen lassen. Der Nachweis erfolgte durch die Vorlage von mehreren Geburts-, Tauf- und Heiratsurkunden. Diese mussten von offizieller Stelle beglaubigt werden.

 

 

 Wehrpass von Johannes Schäfer

 

 

Meine Großmutter sprach so gut wie gar nicht von ihrem Mann. Doch verriet sie mir einmal, dass er ein Draufgänger war und alles zuerst erkunden musste.

Nach der Einberufung wurde seine Einheit im Westen eingesetzt.

2. Reihe, 2. von links Johannes Schäfer
Hier schrieb mein Opa: Stadtwaldlager 1939. Links Johannes Schäfer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehrere Umgliederungen und Teilungen der Divisionen  folgten. 1941 war seine Einheit in Ohlau/Schlesien eingesetzt. 1942 kam ein Einsatz im Osten in einer Sägewerksanlage. Da Hans gerne mit Holz arbeitete, machte ihm dieser Einsatz viel Spaß. Im Februar des gleichen Jahres wurde er zum Gefreiten ernannt. Zum Obergefreiten kam es im November 1942. Sein Bataillon wurde 1943 nach Kroatien nachgezogen. Ein Buch des wunderschönen Kroatiens ist heute noch im Besitz meiner Mutter. Er brachte auch auf unerklärliche Art, präparierte Vögel mit. In unserer Stube hingen viele Vögel. Vom Bussard bis zum Spatz war alles vertreten. Hans liebte die Natur und besonders Vögel.

Im Juli 1944 bekam Hans Heimaturlaub. Er war fast drei Wochen bei seiner kleinen Familie zu Hause und half seinen Schwiegereltern bei der Ernte. Zur gleiche Zeit hatte sein Freund Kurt und zwei weitere Sandlofser Soldaten auch Urlaub.

von links: Adam, Andreas, Hans und Kurt

Inzwischen waren seine Kameraden erbitterten Kämpfen im Kurland ausgesetzt. Es drohte ihnen eine Einkesselung im Baltikum. Tatsächlich blieben sie bis Kriegsende im Kurland eingekesselt.

Mitte Juli war der Urlaub zu Ende, und Hans musste zu seiner Einheit zurück. Ich kann immer noch nicht verstehen, wie er in den Kriegswirren seine Einheit gefunden hat. Es war in der Nacht vom 20. Juli 1944, als russische Soldaten ostwärts von Dünaburg, durchbrachen. Dies las ich im Buch von Otto Karius „Tiger im Schlamm“. In den nächsten Tagen folgten schreckliche und unvorstellbare Kämpfe an der Düna. Inzwischen hatte Hans seine Einheit bei Dünaburg erreicht. 

Nur wenige Tage nach seinem Urlaub verlor Johannes Schäfer, am 24. Juli 1944 sein junges Leben. Bei Zuzefowo, etwa 15 Kilometer nordöstlich von Dünaburg, traf ihn die feindliche Kugel.

Diesen Ort gibt es heute noch und nennt sich Jezupova

Meine Großmutter erfuhr von dem Tod ihres geliebten Mannes, ein paar Wochen später, in einem Brief von Hauptfeldwebel Werner Dreefsen.

Eine Gedächtnisfeier fand am 12. November 1944 in der Kirche zu Sandlofs statt. 

Maria ließ ein Bild von Großvater Johannes vergrößern. Auf einem Grundstück, das Johannes während eines Urlaubs kaufte, baute Großmutter ein kleinen Häuschen, welches mein Vater später fertig stellte. Hier bekam das Bild einen Ehrenplatz in der „Guten Stube“. So war Opa Hans immer allgegenwärtig. Er hat leider nie erfahren, dass sein liebes Töchterchen den jüngsten Sohn seines besten Freundes, Kurt, heiratete.

 

 

Johannes Schäfer wurde bis heute noch nicht auf einen Soldatenfriedhof in Lettland überführt. In Riga wird er auf einem Gedenknamenbuch, des Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge erwähnt. Wir wünschen uns, dass Opa Hans seine letzte Ruhestätte, fern der Heimat, auf einem Soldatenfriedhof noch findet wird.

 

 

 

 

 

 

Ehrendenkmal Sandlofs

Im 2. Weltkrieg sind aus Sandlofs sechszehn junge Männer gefallen.

Adam Dickert * 18.12.1914 in Sandlofs + 06.08.1941 in Longoiva in Finnland (27)

Heinrich Loos * 01.11.1920 in Sandlofs + 09.12.1941 bei Archangelskoje / Klin in Rußland (21)

Georg Betzenberger * 16.11.1915 in Sandlofs + 18.06.1942 (27)

Heinrich Trabes * 03.08.1914 in Sandlofs + 13.09.1943 Kriegsgräberstätte in Cassiono in Italien (29)

Johannes Faust * 07.01.1899 in Sandlofs + 11.08.1944 Kriegsgräberstätte Botn-Rognan in Norwegen (45)

Georg Hohmeier * 17.10.1906 in Sandlofs + 20.09.1944 in Estland (38)

Heinrich Klapper * 07.11.1900 in Kunzendorf, Polen + 23.06.1944 bei Osintorf-Belarus, Weißrussland (44)

Arnold Müller * 09.07.1923 in Krips, Tschechien + 01.04.1944 in Odessa, Ukraine (21)

Georg Otterbein * 14.10.1920 in Sandlofs + 03.02.1944 in Sledjuki-Belarus in Weißrussland (24)

Johannes Schäfer * 16.09.1909 in Sandlofs + 25.07.1944 bei Jezupova / Dünaburg in Lettland (35)

Leonhard Schäfer * 20.04.1925 in Sandlofs + 25.03.1944 in Wladimir, Ukraine (19)

Karl Wink * 23.09.1915 in Sandlofs + 10.01.1944 (29)

Alois Cech * 15.01.1920 + 1945 vermisst

Konrad Feick * 16.07.1904 in Unter-Wegfurth + 29.03.1945 Kriegsgräberstätte in Füstenwalde

Ernst Plass *11.03.1925 in Bömisch-Borau + 21.01.1945 Kriegsgräberstätte in Ormont in Polen

Friedrich Döring * 17.01.1921 in Sandlofs + 10.07.1944 (23)

Schreibe einen Kommentar

Letzte Beiträge nach Monat

März 2020
M D M D F S S
« Feb    
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031