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Kaffeegeschichte(n)

Kaffee

Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wurde Kaffee nach Europa verschifft, und ein lebhafter Handel mit den edlen Bohnen entstand. In Bremen eröffnete 1673 das erste Kaffeehaus im Land. Vier Jahre später erkannte man auch in Hamburg, dass sich mit den edlen Bohnen ein gutes Geschäft machen ließ. Kaffeehäuser gehörten nun zum Stadtbild. Die Kaffeehäuser wurden zum Treffpunkt von betuchten Bürgern, Künstlern, Kaufleuten und auch Adligen. Nach Wiener Vorbild verfeinerte man das heiße Getränk mit Zucker und Sahne.  

Natürlich konnte sich das einfache Volk, wie wir es aus unseren Dörfern kennen, dieses – für uns heute selbstverständliche – Getränk nicht leisten!

Ich bezweifle, dass zu dieser Zeit, eine Bauersfamilie aus unserer Heimat damals je von Kaffeebohnen auch nur eine Ahnung hatte. Diese Menschen waren in erster Linie froh, dass endlich der 30jährige Krieg hinter ihnen lag. Eine neue Zeit brach an, ja, und wenn, auch mit Verzögerung, der Kaffee kam  in unserer Heimat an.

In den Geschichtsblättern von „Mein Heimatland“ aus dem Jahr 1951 fand ich eine aussergewöhnliche Geschichte:

Kaffee

Kaffeetrinken wurde bald so selbstverständlich, dass die Regierung (in Kassel) glaubte, dagegen etwas unternehmen zu müssen. Der Grund hierfür lag darin, dass zuviel Geld aus dem Land ging und dazu noch, weil Kaffee gesundheitsschädlich sei.
In einer Verordnung vom 28. Januar 1766, die für Stadt und Kreis Hersfeld galt, heißt es, dass auf allen Dörfern das Kaffeetrinken nun verboten sein solle. Wer es aber doch tue, der soll mit 10 Talern Strafe oder 14 Tage Gefängnis bestraft werden! Kein Kaufladen und kein Händler solle Kaffee verkaufen! Selbst gegen Kaffeegeschirr zog die Regierung zu Felde! Wer ein solches besaß, der hatte 6 Wochen Zeit, sich davon zu trennen.
In den Städten jedoch solle das Verbot nur für den kleinen Bürger gelten. Bürgern von Vermögen und Ansehen, die schon bisher immer ohne Anstoß zu erregen, Kaffee getrunken hatten, ist der Genuss weiter erlaubt. Allerdings nur in gemäßigter Form. Durch regelmäßige Visitationen soll die Polizei kontrollieren, dass es dabei auch bliebe.
Die Kaffeetrinker – sowohl in der Stadt wie im Lande – haben sich wenig nach dieser Verordnung gerichtet. Deshalb kam im Jahre 1773 erneut ein verschärftes Verbot des Kaffeetrinkens, „das ein landesverderbliches Unwesen sei, wodurch die Untertanen in Schulden gerieten. Bürger und Landmann von ihrer Arbeit abgehalten werden und die Frauen sich verleiten lassen, heimlich, hinter dem Rücken ihrer Ehemänner, deren sauer verdientes Geld, leichtfertig zu verjubeln.“
Es wird nochmals genau aufgeführt, wer Kaffee trinken darf. Es sind die Standespersonen eines Ortes und die Offiziere. Sonst niemand! Wer jedoch etwa von anderen Personen, die Vermögen haben und Ansehen genießen, das Recht haben wolle, auch Kaffee trinken zu dürfen, muss eine besondere landesherrliche Erlaubnis dazu einholen. Die Übertretung dieser Anordnung wird jetzt mit 20 Talern bestraft. Der Magistrat wird mit ihrer Durchführung beauftragt. Falls der Magistrat der Stadt sich lässig zeigt, soll er abgesetzt werden. Er darf dabei auf keine Nachsicht hoffen, da es doch leicht sei, die Übertreter zu erwischen. Denn der bloße Geruch des Kaffees verriete sie in der ganzen Straße.
Man griff auch zu dem üblichen Mittel, Denunzianten zu belohnen. Wer einen Übertreter der Kaffee-Ordnung namhaft machte, erhielt als Prämie ein Viertel der fälligen Strafe.
Im Jahre 1775 wird genau dokumentiert, wer eine landesherrliche Erlaubnis zum Kaffee trinken besitzt. Es waren die Kaufleute Schröder, Morchutt, Happich und die Gebrüder Ziegler, die also wohl recht angesehene und vermögende Leute gewesen sein müssen. Unter zwei Bedingungen wird ihnen die Genehmigung gegeben:

Sie müssen die, für den Kaffee,  zu zahlende Steuer entrichten und „sie sollen solchen Personen, denen das Coffétrinken verboten ist, selbigen nicht vorsetzen, mithin kein unerlaubtes Coffégelage bei sich gestatten!“

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