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Niederjossa 1911

Lehrer Wittich berichtet:

Am 01. Mai 1911 zählte die Schule 122 Schüler.

Das Jahr 1911 war bezüglich des Wetters ein ganz eigenartiges Jahr. Große Trockenheit war im vorhergenden Winter ja schon prophezeit worden, aber so furchtbare Trockenheit hatte man doch nicht erwartet.

Von Anfang März bis zum 23. August fielen nur zwei geringe Gewitterregen! Trotzdem hatten wir noch ziemlich Heu geernet. Auch die Halmfrüchte waren verhältnismäßig gut. Nur der Hafer war kurz geblieben. Kartoffeln und Rüben konnten wegen der anhaltenden Trockenheit auch nicht gedeihen. Ganz besonders flau war die Grummeternte. Den größten Teil vom „Keimpel“ (Schulwiese) brauchten wir gar nicht zu mähen. Auf der Wiese – 7 Acker – haben wir noch nicht die Leitern voll Grummet geerntet!

trockenheit

Kühe, die im vorigen Jahr vier- bis fünfhundert – auch noch über fünfhundert – Mark kosteten, wurden jetzt abgeschlachtet oder weit unter Wert für 180 bis 200 Mark verkauft. Unter dem Viehbestand der Gemeinde Niederjossa auch auch im April die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, sodaß der Handel mit Klauenvieh vom 19. April bis 10. August vollständig verboten war. Infolgedessen hatten jeder Viehbesitzer auch mehr Vieh als er gebrauchen konnte.

Diese Krankheit und die Mißernte brachten der Gemeinde großen Schaden.

Das Jahr erinnerte an die Mißernte im Jahre 1893, auf das dann zu allem Unglück im Jahre 1894 auch noch ein nasses Jahr folgte, in dem viele Früchte auf dem Felde verfault sind. Ich weiß mich zu erinnern, daß damals der Pächter der Ottersbach den ausgewachsenen Hafer, von zirka 20 Acker, unterpflügte. 

Wiederum folgte nach dem Gewitterregen am 23. August eine große Dürre. Der tägliche Wetterbericht lautete: „…heiter, trocken, warm, nachts kühl.“ Es blieb trocken bis zum 3. Oktober! Das Vieh wurde tatsächlich halb verschenkt.

Wie man vermutete, so kam es! Auf das trockene Jahr folgte ein nasses Jahr.

Vom 11. September bis 16. Oktober 1911 war die Schule, wegen massenhaftem Auftreten der Masern unter den Schulkindern, geschlossen.

Am 16. November 1911 abends um halb 11 wurde hier und wie man in der Zeitung las, auch in anderen Gegenden, eine starke Erderschütterung wahrgenommen. Freihängende Gegenstände, wie Lampen usw kamen in so starkes Schwanken, daß sie sich noch fünf Minuten danach hin und her bewegten.

gez. Wittich, Lehrer

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