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Niederjossa 1919

In diesem Eintrag lässt Lehrer Wittich seinen Gefühlen freien Lauf….

Bemerkenswert ist allerdings, dass sich bis zu unserer heutigen Zeit der sogenannte „Generationenkonflikt“ scheinbar nie verändert hat! . 

Niederjossa, den 20 Januar 1919:

So, nun wären wir am traurigen Ende angekommen. Ich hatte es bis heute nicht fertig gebracht, ein Wort darüber zu schreiben…..

Am 19. Januar 1919 fand in Deutschland die Wahl zum Nationalrat statt. Hier erhielten die Deutschnationalen oder Konservativen 47, die Demokraten 58, die Sozialdemokraten 137 Stimmen.


Niederjossa, 17 März 1919:

Die Kardinalsünde unseres Volkes während des Krieges war ganz besonders die Geldsucht, und jetzt nach dem Kriege ist bei jungen Leuten die Vergnügungssucht dazu gekommen. In den Spinnstuben und  in den Wirtschaften wird fast jeden Abend getanzt. Schrecklich ist das Treiben des jungen Volkes an Samstag- und Sonntagabenden. Noch nie sah und hörte ich in der heiligen Fastenzeit solch heidnisches Unwesen….!

Das alles ist bezeichnend für den sittlichen Stand unseres Volkes und ganz besonders unseres Dorfes. Sie fallen in jeder Versuchung! Unsere Worte helfen nichts. Ja, man will sie nicht hören! Die Gottesdienste werden sehr wenig besucht. Als die Not 1914 groß erschien, da suchten selbst die Verstocktesten Gottes Hilfe und Trost. Dagegen haben sie heute der Kirche und dem Prediger und auch uns Lehrern gegenüber nur Spott- und Hohnworte übrig.

Wann wird der Tag kommen, an dem sich das arme, arme Deutschland seiner äußeren und innern Armut bewußt wird!?

gez. Wittich, Lehrer

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