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Niederjossa im Kriegsjahr 1917

Niederjossa im Kriegsjahr 1917

Im Kriegsjahr 1917 notiert Lehrer Wittich die Ereignisse. Es muss eine ähnliche Zeit wie heute gewesen sein. Viele Sorgen, Ängste und Nöte nahmen Besitz von unseren Vorfahren. Wenn wir jedoch die damalige Situation mit unserer heutigen Situation vergleichen, werden wir feststellen, dass sich im Miteinander der Generationen NICHTS geändert hat!

Lehrer Wittich schreibt:

In der Woche vom 24. bis 30. Juni 1917 mußten in allen Gemeinden die Orgelpfeifen und die Glocken abgeliefert werden. Eine Glocke darf die Gemeinde behalten. Vor dem Abhängen sollten sämtliche Glocken (hier 3 Stück) nochmals eine Stunde lang geläutet werden. Wann wird es Ersatz geben?! Ein schönes Stück Heimat geht damit verloren. Am 25. Juni 1917 wurden die zweite und die dritte Glocke abgenommen und sogleich im Turm zerschlagen. Das letzte Läuten machte einen tiefen Eindruck auf alle Einwohner in Niederjossa.

Zu Beginn des Krieges hatte ich sicher gehofft, es würde eine vollständige Änderung der Menschen, ein inneres Wachsen zum Guten stattfinden und sich in Tugenden und guten Werken offenbaren. Doch, ach, das Gegenteil ist geschehen! Die Hartherzigkeit, der Neid, der Geiz, der Wucher, die Rohheit und die Gottlosigkeit haben überhand genommen! Und ach, wie schamlos, wie frech, wie ungemein schmutzig benimmt sich die aus der Schule entlassene Jugend….!!! Man könnte hier mit dem Propheten klagen: „Du undankbares und abtrünniges Volk, wann willst du umkehren!?“ Die Nachrichten von den lieben Gefallenen werden kaltherzig hingenommen. Arme Angehörige, ihr müßt den Schmerz in Stille ertragen…

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