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Unsere Haltestelle

Lehrer Wittich schreibt über den Bau der Eisenbahnstrecke in Niederjossa. Aus: Schulchronik Niederjossa

Nachdem, nach vielen Petitionen und Verhandlungen, endlich am 5 Juli 1905 die Hersfeld-Alsfelder-Bahn mit Abzweigung nach Schlitz vom Landtag genehmigt worden war, ließ der Baubeginn noch lange auf sich warten.

1909 und 1910 wurden die allgemeinen Vorarbeiten und Vermessungen erledigt. Dabei wurde bestimmt, daß an der Abzweigstelle für die Schlitzer Bahn eine Haltestelle erichtet werden sollte, und daß außerdem für die Gemeinden Nieder- und Oberjossa ein gemeinschaftlicher Personen- und Güterbahnhof auf Oberjossaer Gemarkung, beginnend an der Gemarkungsgrenze, angelegt würde. Für Niederjossa wäre das ein großer Nachteil gewesen. Denn erstens flossen dann für alle Zeiten die, von der Bahn zu entrichtenden, Abgaben in die Gemeindekasse nach Oberjossa, und Niederjossa hätte, außer den Abgaben zum ganzen Bau, noch unermeßliche Gelder für die Anlage der Zufuhrwege aufbringen müssen. Die hiesige Gemeindevertretung legte dagegen Berufung ein. Die Bahnverwaltung bestimmte nun, daß ein Personen- und Güterbahnhof an die genannte Gabelungsstelle der beiden Strecken gelegt würde. Damit kam dann der Bahnhof (1500 m von der Schule entfernt!) unter das Dorf.

An die Gemarkungsgrenze von Oberjossa sollte nun eine Haltestelle. Mehrere Gesuche mit vielen Unterschriften habe ich daraufhin an die Eisenbahnverwaltung in Frankfurt gerichtet zwecks Nahelegung des Bahnhofs, etwa in der Gegend der Ruhebank. Es wäre dieses freilich nur möglich gewesen, wenn der Reichengraben auf 200 m zur Durchlegung der Strecke nach Schlitz durchstochen worden wäre. Es wurde uns entgegnet, daß sich eine sölche Arbeit bei einer Kleinbahn, die nicht viel einbringe, nicht rentiere und unserer Bitte deshalb nicht entsprochen werden könne. Daraufhin habe ich die Königliche Eisenbahnverwaltung ersucht, die gemeinschaftliche Haltestelle mit Oberjossa aufzulösen, da diese von den Bewohnern Niederjossas in jedem Falle doch nur wenig benutzt werden würde. Schon deshalb, weil die hiesige Arbeiterschaft meistens nach Hersfeld fahren würde und sich auch der Verkehr vorwiegend in diese Richtung abspielt. Der Reichstagsabgeordnete, Herr Werner, vertrat unsere Belange, und nach einer örtlichen Besichtigung wurde dann am 6 September 1911 die Haltestelle genehmigt.

„Wohl dem, der keinen Dank erwartet, der wird auch keine Enttäuschung erleben!“

gez. Wittich, Lehrer

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